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Was ist Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte?

Wie die Ökonomen, so befassen sich die Wirtschaftshistoriker (und natürlich auch die Wirtschaftshistorikerinnen) mit der Grundfrage allen Wirtschaftens, nämlich was, wie und für wen produziert werden soll. Dabei bedienen sie sich jedoch nicht allein der Methoden der Ökonomie, die von Ernst Helmstädter einmal pointiert mit dem "Denken in Modellen" zusammengefasst wurde. Wirtschaftshistoriker bedienen sich vielmehr einer besonderen Vorgehensweise, die es erlaubt, ökonomische Sachverhalte nicht nur modelltheoretisch zu durchdringen, sondern sie darüber hinaus in ihrer historischen Entwicklung und Komplexität zu rekonstruieren. Dass heißt, in der Wirtschaftsgeschichte wird der gegebene "Datenkranz" bzw. die "ceteris paribus Bedingung" der ökonomischen Theorie aufgegeben und demgegenüber werden weitere, komplexere Erklärungszusammenhänge untersucht. 

Dies geschieht natürlich nicht ausschließlich mit einem historischen Ansatz, sei er phänomenologisch oder hermeneutisch begründet - dann unterschiede sich die Wirtschaftsgeschichte nicht von der allgemeinen Geschichtswissenschaft -, sondern man nimmt Bezug auf die Kategorien und Modelle der ökonomischen Theorie. Doch begnügt man sich nicht damit, diese in ihrer abstrakten Form zum Ausgangspunkt einer empirischen Analyse zu machen, sondern die Wirtschaftsgeschichte untersucht die historisch konkreten Umstände. Diese sind zudem keineswegs allein ökonomisch determiniert. Deshalb erscheint es notwendig, die Elemente des Wirtschaftslebens nicht nur als ökonomisch bestimmt anzunehmen, sondern deren soziale, politische und kulturelle Implikationen mit zu bedenken. Deshalb firmiert unser Fach in Deutschland in der Regel als Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte.